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DINI-Zertifikat 2019 für Open-Access-Publikationsdienste

1 Zielstellung und Gegenstand des DINI-Zertifikats

 

1.1 Hintergrund

Das Publikationswesen ist ein wesentlicher Stützpfeiler des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts und der Wissenschaft insgesamt. Zu seinen Kennzeichen gehören

a)    die Organisation einer effektiven Kommunikation zwischen Forschenden (zwischen → Autor*innen und allen potenziellen Rezipient*innen, d. h. die Sicherstellung einer adäquaten Verbreitung),

b)    ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit, das den → Nutzenden des Publikationswesens (d. h. den Forschenden) vermittelt wird (z. B. in Bezug auf das Prioritätsrecht, die Wahrung des Urheberrechts sowie die Authentizität und die inhaltliche Qualität wissenschaftlicher Arbeiten), sowie

c)    Nachhaltigkeit und Nachprüfbarkeit (dauerhafte Zitierbarkeit und langfristige Verfügbarkeit, Nachvollziehbarkeit von einzelnen Schritten auf dem Weg zur Veröffentlichung).

Mit dem vorliegenden Kriterienkatalog werden diese allgemeinen Erwartungen an das wissenschaftliche Publizieren in konkrete Mindestanforderungen übersetzt, die an Open-Access-Publikations­dienste zu stellen sind. Diese bilden als Plattformen für die Veröffentlichung und Bereitstellung wissenschaftlicher Publikationen in elektronischer Form wichtige Knotenpunkte für den wissenschaftlichen Kommunikationsprozess und tragen als Open-Access-Dienste zur Verbreitung und Demokratisierung von Wissen bei.

Unter dem Begriff → Open-Access-Publikationsdienste werden insbesondere die folgenden Dienste zusammengefasst (siehe auch die Begriffsdefinitionen in Anhang B):

  • Institutionelle Open-Access-Repositorien
  • Institutionenübergreifende Open-Access-Repositorien
  • Fachbezogene Open-Access-Repositorien
  • Open-Access-Zeitschriften

1.2 Ziele und Wirkungsweise des DINI-Zertifikats

Das DINI-Zertifikat für Open-Access-Publikationsdienste dient im Wesentlichen zwei übergeordneten Zielen:

  1. Verbesserung der Publikationsinfrastruktur für das elektronische Publizieren sowie
  2. Stärkung Open-Access-basierter Publikationsformen.

Die genannten Zielstellungen werden mithilfe des DINI-Zertifikats und des zugrunde liegenden Kriterienkatalogs auf folgende Weise erreicht:

  1. Das DINI-Zertifikat vermittelt Maßstäbe, Richtlinien, Best Practices; es trägt zu einem allgemeinen Verständnis der Wesenszüge des elektronischen wissenschaftlichen Publizierens bei. Die Anforderungen unterstützen dessen Realisierung. Durch den detailliert formulierten Anforderungskatalog und die permanente praktische Erprobung bietet das DINI-Zertifikat auch eine Orientierung für weitere Diskussionen und die regelmäßige Anpassung und Überarbeitung der Richtlinien.
  2. Das DINI-Zertifikat entfaltet eine Wirkung in Richtung von Betreiber*innen. Durch die Mindestanforderungen und Empfehlungen ergibt sich ein Katalog an Aspekten (und darauf basierend eine Abfolge an Schritten), die beim Aufbau eines → Open-Access-Publikationsdienstes für das elektronische Publizieren berücksichtigt werden müssen. Es dient damit unter anderem der Qualifizierung von Personen, die für den Aufbau und Betrieb von Publikationsdiensten verantwortlich sind.
  3. Das DINI-Zertifikat entfaltet eine Wirkung in Richtung von Geldgeber*innen (Fördernde von Informationsinfrastruktur, betreibende Einrichtungen). Ihnen wird damit auf der einen Seite verdeutlicht, welcher Aufwand und welches Maß an Professionalität mit dem Betrieb von Open-Access-Publikations­diens­ten verbunden ist und welche Kosten daraus letztlich resultieren, aber auch welcher Mehrwert aus einem soliden, standardisierten und nachhaltigen Dienst erwächst. Auf der anderen Seite können Forschungsfördernde das DINI-Zertifikat zum Maßstab nehmen, auf welcher organisatorischen und technischen Basis Open-Access-Publikationen veröffentlicht werden sollten.
  4. Das DINI-Zertifikat entfaltet eine Wirkung in Richtung von Forschenden, die Open-Access-Publikationsdienste als → Au­tor*innen bzw. Herausgeber*innen nutzen. Das DINI-Zertifikat hat in diesem Sinne den Charakter eines einfach zu erfassenden Verbrauchersiegels. Durch das DINI-Zertifikat werden zertifizierte Publikationsdienste innerhalb ihrer Einrichtung oder Disziplin als vertrauenswürdige Partner ausgewiesen.
  5.  Das DINI-Zertifikat bewirkt eine Verbesserung der Qualität von Publikationsdiensten – unter anderem in Bezug auf die organisatorische und technische Nachhaltigkeit, die Interoperabilität und die Transparenz. Diese Wirkung lässt sich am besten im Falle zertifizierter Dienste nachvollziehen. Sie tritt aber auch dadurch zutage, dass der Kriterienkatalog vielfach als Richtschnur für den Aufbau von Publikationsdiensten verwendet wird, auch wenn sich daran nicht in jedem Fall ein formaler Zertifizierungsprozess anschließt.
  6. Das DINI-Zertifikat wirkt bei zertifizierten Publikationsdiensten als Gütesiegel und bildet damit einen positiven Anreiz zur Nutzung.

1.3 Gegenstand des DINI-Zertifikats

Der Kriterienkatalog des DINI-Zertifikats und der darauf aufbauende Zertifizierungsprozess beziehen sich auf → Open-Access-Publikationsdienste mit den dazugehörigen Kernkomponenten und -prozessen.

Anbieter von Open-Access-Publikationsdiensten sind vorrangig wissenschaftliche Einrichtungen (Universitäten, Hochschulen, Forschungs­einrichtungen) und wissenschaftliche Organisationen (Fachgesellschaften), darüber hinaus aber auch nicht-kommerzielle oder kommerzielle, verlegerisch tätige Anbieter im Open-Access-Bereich. Open-Access-Publikations­dienste in diesem Sinne müssen insbesondere in Bezug auf die Art der Publikationen, für die sie gedacht sind, beschrieben werden (institutionelle, fachliche, formale Aspekte) und sind durch folgende Kernprozesse gekennzeichnet:

  • Dienstleistungen für Autor*innen und Herausgeber*innen,
  • Übernahme, Aufbereitung und langfristige Speicherung der zur Publikation gehörenden elektronischen → Dokumente inklusive der → Metadaten,
  • öffentliche Bereitstellung der Publikationen, Sicherstellung der Auffindbarkeit für den unmittelbaren menschlichen bzw. den für übergreifende Dienste erforderlichen maschinellen Zugriff sowie Weitergabe der Metadaten und ggf. Publikationen.

 

Diese Kernprozesse werden durch folgende Komponenten realisiert bzw. unterstützt:

  • eine zugrunde liegende Organisationsstruktur (wird im Zertifikat allerdings nicht betrachtet),
  • das technische Basissystem,
  • Schnittstellen für Nutzende (insbesondere Webfrontend, → Deposit Licence),
  • technische Schnittstellen (insbesondere OAI-Schnittstelle).

Die technische und organisatorische Umsetzung von Open-Access-Pu­bli­kationsdiensten kann sehr unterschiedlich sein – sowohl bezüglich der Ausgestaltung und organisatorischen Verteilung der Zuständigkeiten als auch in Bezug auf die Einbindung in eine übergreifende Infrastruktur (Stand-alone-Dienste mit eigener Instanz einer Repositorien- bzw. Zeitschriften-Software; Nutzung eines Hosting-Angebots einer internen oder externen Dienstleistung; Integration in andere Bestandteile einer institutionellen Informationsinfrastruktur – z. B. Forschungsinformationssystem, Campusmanagement, institutionelle Bibliografie).

Gegenstand der Bewertung und der Zertifizierung sind aber jeweils nur die für die Erbringung des Dienstes relevanten Prozesse und Komponenten. Auch wenn der Publikationsdienst technisch und organisatorisch in eine übergreifende Infrastruktur integriert ist, kann das Zertifikat daher weiterhin von der konkreten Umsetzung des Dienstes abstrahieren und auf der vorliegenden Kriterienstruktur aufsetzen. Dezidiert nicht Gegenstand der Bewertung sind übergreifende bzw. über den Publikationsdienst hinausgehende Aspekte von Campusmanagement- oder Forschungsinformationssystemen oder Diensten zum Forschungsdatenmanagement bzw. zur Fachinformation.

1.4 DINI-ready: Modularisierung des Zertifizierungsprozesses

Das DINI-Zertifikat wird grundsätzlich an einzelne → Open-Access-Publikationsdienste vergeben. Antragsteller sind in der Regel die → Betreibenden eines Open-Access-Repositoriums beziehungsweise die Verantwortlichen für eine Open-Access-Zeitschrift.

Für eine Vielzahl der Repositorien und Zeitschriften werden die technischen Komponenten jedoch durch sogenannte → Hosting-Dienste bereitgestellt, die jeweils mehrere gleichartige Dienste betreuen. Die Verantwortlichkeiten und Kompetenzen, die für den Aufbau und den Betrieb eines solchen Dienstes erforderlich sind, verteilen sich in diesen Fällen auf unterschiedliche Einrichtungen. Diese Spezialisierung und Zentralisierung wird im Bereich von Open-Access-Publikationsdiensten noch zunehmen.

Um diese Situation zukünftig besser abzubilden und das Zertifizierungsverfahren sowohl aufseiten der Antragsteller*innen als auch für die Begutachtung zu vereinfachen, wurde bereits mit dem DINI-Zertifikat 2013 ein zusätzliches Instrument eingeführt, das auch in der aktuellen Version fortgeführt wird: DINI-ready. Hosting-Dienste können sich in einem vorgeschalteten Prozess bestätigen lassen, dass bestimmte Mindestanforderungen aus dem Kriterienkatalog grundsätzlich für alle von ihnen betreuten Dienste erfüllt sind; dies wird in einer gesonderten Vereinbarung zwischen DINI und den Hosting-Diensten festgehalten. Antragsteller*innen von Publikationsdiensten, die bereits evaluierte Hosting-Dienste zur technischen Realisierung nutzen, müssen in konkreten Zertifizierungsverfahren die Fragen zu den betreffenden Kriterien nicht mehr ausfüllen, sondern können sie als DINI-ready markieren. Es erfolgt dann keine gesonderte Begutachtung.

Anhang C Vergabemodus und Evaluierung

Das DINI-Zertifikat Open-Access-Publikationsdienste wird durch die DINI-Geschäftsstelle bzw. eine von ihr beauftragte Arbeitsgruppe vergeben. Verbunden mit dem Zertifikat, das die Jahreszahl der entsprechenden Zertifikatsversion enthält, wird in einer Urkunde die Bescheinigung über die Erfüllung der Mindestanforderungen für Open-Access-Publikationsdienste ausgestellt.

Die Beantragung des DINI-Zertifikats ist kostenpflichtig. Es werden folgende Kostensätze erhoben, die nach der Beantragung fällig werden:

1.   für nicht-kommerzielle Einrichtungen

­DINI-Mitglieder: 100,00 €

­ sonstige Einrichtungen: 200,00 €

2.   für kommerzielle Einrichtungen

DINI-Mitglieder: 300,00 €

sonstige Einrichtungen: 500,00 €

Um das Zertifikat für einen Dienst zu beantragen, ist durch den Betreibenden ein Fragebogen auszufüllen, der die in Abschnitt 2 dieses Dokuments aufgeführten Mindestanforderungen und Empfehlungen in Form einer Checkliste enthält. Die Beantragung des Zertifikats ist jeweils nur auf Basis der letzten veröffentlichten Version des Kriterienkatalogs möglich (hier: „Open-Access-Publikationsdienste 2019”). Der Fragebogen ist online auf den Webseiten von DINI verfügbar.[1] Durch das Ausfüllen dieses Formulars legt der Betreibende dar, ob und in welchem Umfang die einzelnen Kriterien durch den bereitgestellten Dienst tatsächlich erfüllt werden. Neben der Angabe darüber, ob die Anforderungen und Empfehlungen erfüllt sind, werden einige zusätzliche Informationen abgefragt – beispielsweise die URL, unter der eine bestimmte Information zu finden ist. Außerdem bietet das Formular die Möglichkeit, weitergehende Erläuterungen zu geben.

Seit der Version 2013 des DINI-Zertifikats können sich Hosting-Anbieter für Open-Access-Publikationsdienste in einem vorgeschalteten Prozess bestätigen lassen, dass bestimmte Mindestanforderungen aus dem Kriterienkatalog grundsätzlich für alle von ihnen betreuten Dienste erfüllt sind (DINI-ready). DINI schließt mit den entsprechenden Hosting-Anbietern dazu eine gesonderte Vereinbarung, in der die Rechte und Pflichten beider Seiten beschrieben sind. Betreibende, die für ihren Dienst ein solches Hosting-Angebot nutzen, geben dies vor dem Ausfüllen des Fragebogens an und müssen die Fragen für diejenigen Anforderungen, die das Hosting-Angebot bereits erfüllt, nicht beantworten (siehe Abschnitt 1.4 in diesem Dokument).

Nachdem mit dem vollständigen Ausfüllen des Fragebogens der Antrag auf Zertifizierung gestellt ist, erfolgt die Überprüfung der Angaben durch mindestens zwei von der DINI-Geschäftsstelle benannte Gutachter*innen. Dazu ist den Gutachter*innen der freie Zugang zu dem zu

zertifizierenden Dienst zu gestatten. Gegebenenfalls werden an die Betreibenden Rückfragen gerichtet. Die Kommunikation zwischen Betreibenden und Gutachter*innen ist dabei – soweit nichts anderes vereinbart wird – als vertraulich zu betrachten. Eine Kontrolle vor Ort ist nur im Ausnahmefall vorgesehen. Sollten im Rahmen der Überprüfung zusätzliche Kosten entstehen, sind diese durch den Betreibenden zu tragen. Er wird durch DINI darüber zuvor informiert.

Als regulärer Bearbeitungszeitraum zwischen Antragsdatum und Ausstellung eines DINI-Zertifikats sind zwei Monate vorgesehen. Die Dauer der Begutachtung wird auch dadurch bestimmt, wie schnell auf Rückfragen der Gutachter*innen an die Betreibenden reagiert wird. Der Zeitraum kann sich insbesondere dann verlängern, wenn einzelne Kriterien nicht oder nicht vollständig erfüllt sind.

Ein einmal ausgestelltes Zertifikat verliert mit der Veröffentlichung der dritten Nachfolgeversion des Kriterienkatalogs seine Gültigkeit. Mit der Veröffentlichung der vorliegenden Version (Kriterienkatalog für das Zertifikat „Open-Access-Publikationsdienste 2019”) verlieren damit alle Zertifikate, die auf Versionen des Kriterienkatalogs 2010 und dessen Vorgängerversionen basieren, ihre Gültigkeit. Da diese Regelung zur Befristung der Gültigkeit ausgestellter Zertifikate neu eingeführt wird, besteht für betroffene Zertifikate eine Übergangsfrist bis 30.09.2020. Es steht den Betreibenden frei, eine erneute Zertifizierung des Dienstes auf Basis der aktuell veröffentlichten Zertifikatsversion zu beantragen.

Aufgrund der eingetragenen Jahreszahl der Zertifikatsversion ist jederzeit überprüfbar, welchen Leistungsanforderungen der Dienst zum Zeitpunkt der Ausstellung des Zertifikats genügt hat. Bei nachträglich festgestellten Verstößen gegen die Kriterien des Zertifikats kann das Zertifikat durch DINI aberkannt werden.

Ein erfolgreich begutachteter Dienst darf sich als „Zertifiziert als Open-Access-Publikationsdienst“ bezeichnen und dies durch das offizielle Zertifikatslogo auf der Startseite oder in einer anderen geeigneten Form anzeigen. Jede missbräuchliche Verwendung der Bezeichnung und des Logos wird verfolgt.