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Abstracts

Die digitale Universität – Anforderungen an Infrastruktur und Serviceeinrichtungen der Hochschulen
Prof. Dr. Arndt Bode (Vizepräsident TU München)

Die digitale Universität zeichnet sich dadurch aus, dass sie die IT strategisch für die Verbesserung ihrer Dienstleistungen in Forschung, Lehre und Verwaltung einsetzt. Neue Anforderungen, etwa aus dem Bologna Prozess, aus digitalen Formen des Publizierens und Forschens und aus dem Übergang von Kameralistik zu kaufmännischem Rechnungswesen erfordern jedoch eine Prozessanalyse und -optimierung bevor die technische Implementierung erfolgt. Technische Integration und Rezentralisierung bei Erhalt der dezentralen sachlichen Entscheidungsstruktur müssen ebenso geleistet werden, wie eine behutsame Reorganisation der IT-Abteilungen. Der Vortrag diskutiert die Vorgehensweise am Beispiel des Projektes IntegraTUM der Technischen Universität München.


 

Ubiquitäre Information: Visionen und Anwendungen 
Prof. Oliver Günther, Ph.D. (Humboldt-Universität zu Berlin; Sprecher des Zentrums für ubiquitäre Information)

Der Begriff "Ubiquitäre Information" bezeichnet die Informatisierung unseres Lebens, d.h. die zunehmende Durchdringung von Wirtschaft und Alltag durch informationsverarbeitende Geräte und Systeme. Neben die reale Welt tritt eine zunehmend detaillierte virtuelle Welt, ein "Internet der Dinge", in dem Personen und Objekte der realen Welt einen "digitalen Schatten" hinterlassen. Diese Entwicklungen haben das Potenzial, unsere Lebensqualität in vielen Bereichen zu verbessern, bergen aber auch beträchtliche Gefahren für Sicherheit und Datenschutz. In diesem Vortrag werden wir die positiven und negativen Potenziale aufzeigen und am Beispiel der RFID-Einführung bei einem führenden Handelsunternehmen illustrieren.


 

Information als Exzellenzmerkmal 
Prof. Dr. Stefan Hornbostel (Humboldt-Universität zu Berlin)

Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder hat sich zum Ziel gesetzt, "den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzen im Universitäts- und Wissenschaftsbereich sichtbarer zu machen". Sichtbarkeit ist ohne eine umfassende und tiefgehende Information über Forschungsergebnisse, Prozesse, Personen und Institutionen weder für Spitzeneinrichtungen noch für weniger international orientierte Hochschulen möglich. Gleichwohl bleibt die "Sichtbarkeit", die als Exzellenzmerkmal apostrophiert wird, ein wenig nebulös. Handelt es sich um ein Synonym für Reputation oder gar Prominenz, um gutes Marketing, um den Rangplatz in internationalen Rankings, um die Resonanz in der scientific community, um den umfassenden Zugang zu Informationen über die Forschung vor Ort? Lässt sich Sichtbarkeit objektivieren, gar messen? Und wann ist der Punkt erreicht, an dem man den Wald vor lauter Bäumen (resp. Informationen) nicht mehr sehen kann?

Der Beitrag versucht einigen dieser Fragen nachzugehen, Desiderata zu identifizieren und mögliche Herausforderungen für deutsche Forschungseinrichtungen zu skizzieren.


 

Studium im Spannungsfeld zwischen Präsenz und Virtualität 
Prof. Dr. Reinhard Keil (Heinz Nixdorf Institut, Universität Paderborn)

Zeit- und Ortsunabhängigkeit werden heute als zentrale Mehrwerte digitaler Medien definiert und sollen individuelles und selbstbestimmtes Lernen fördern. In diesem Sinne könnte sich die Unterscheidung in Fernlehre und Präsenzlehre zunehmend auflösen. Hinter diesen Annahmen stecken jedoch Sichten, die den Computer als Werkzeug und Wissen als transportierbares Gut betrachten. Sie schlagen sich entsprechend in Lernplattformen und Lernmanagementsystemen nieder, die sich zunehmend zu einer Einbahnstraße des Lehrens entwickeln.

Auch wenn dadurch bereits Einsparungen und Verbesserungen erzielt werden, greift ein solcher Ansatz in Bezug auf die tatsächlichen Potenziale interaktiver Medien entschieden zu kurz. Erst der Computer als Instrument zur Transformation von Wissen und nicht als Werkzeug zum Erstellen und zum Transport von Dokumenten ermöglicht es, Lehren und Lernen als kooperative Wissensorganisation neu zu bestimmen.

Da ein Instrument jedoch immer nur so gut ist wie der Mensch der es nutzt, kommt es entscheidend darauf an, neben dem Aufbau lernförderlicher Service-Infrastrukturen auch geeignete pädagogische und organisatorische Maßnahmen zur Umgestaltung unserer Hochschulen vorzunehmen. Lernen bleibt ein sozialer Prozess und digitale Medien können und müssen sowohl das virtuelle Lernen als auch das Präsenzlernen unterstützen und dabei Medienbrüche zwischen Ihnen weitestgehend vermeiden. Dazu werden neue Konzepte und Ansätze vorgestellt.

Die spezifischen Qualitäten digitaler Medien (Instrument statt Werkzeug) werden nicht richtig erfasst und ihre Mehrwerte (Zeit- und Ortsunabhängigkeit) falsch verstanden.

  • Direkte Interaktivität, Dienste-Infrastrukturen und kooperative Wissensorganisation ist die Schlüsselqualität digitaler Medien (gemeinsames externes Gedächtnis).
  • Die Frage der Virtualisierung des Studium ist dabei unabhängig von der Frage ob man Präsenz- oder Fernlehre betreibt.
  • Digitale Medien helfen alle Prozesse zu verbessern, zwar nicht automatisch aber für alle Bereiche.